„Netflix statt Excel“ – Wie Mitarbeitende ihre Chefs austricksen und was Führungskräfte dagegen tun können

Veröffentlicht am: 07.August.2025Kategorien: Arbeitswelt, RechtlichesLesezeit: 2 Min.
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Hakan Tok schreibt Artikel zu technischen Themen im Blog Recht 24/7 Love & Law.

Arbeitszeitbetrug – der unterschätzte Volkssport

Während früher der Gang zur Kaffeemaschine als kleine Ablenkung galt, wird heute auf TikTok ganz offen gezeigt, wie man mit minimalem Aufwand den maximalen Gehaltscheck abstaubt. Unter dem Hashtag #quietquitting oder #lazyworking beichten junge Beschäftigte, dass sie lieber Netflix schauen als E-Mails beantworten – und das während der Arbeitszeit.

Beispiel gefällig? Ein TikTok-Video, in dem jemand stolz erzählt, dass sie offiziell fünf Tage angestellt sei, aber eigentlich nur montags arbeite, wurde über 400.000 Mal angesehen. Was zunächst nach Einzelfällen klingt, ist längst in der Breite angekommen: Laut einer Umfrage von Consumerfieldwork aus dem letzten Jahr geben 13 Prozent von 1.000 Befragten offen zu, ihre Arbeitszeit bewusst falsch zu erfassen. Und: Drei von vier Menschen haben schon mal etwas Privates während der Arbeitszeit erledigt – obwohl sie offiziell „on the job“ waren.

Wo hört Faulheit auf, wo beginnt Betrug?

Ein bisschen schnacken im Büro, schnell mal eine Amazon-Bestellung abschicken oder einen Aperol in der Mittagspause – ist das schon Betrug? Sascha Stowasser vom Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (IFAA) sieht das deutlich: „Fehlzeiten sind für Unternehmen sehr teuer.“ Was für viele wie kleine Tricksereien wirkt, hat laut ihm „enorme volkswirtschaftliche Auswirkungen“.

Entscheidend ist: Wer systematisch private Dinge erledigt, statt zu arbeiten, oder sogar bewusst Arbeitszeit manipuliert (z. B. bei der Zeiterfassung), begeht im Zweifel einen klaren Pflichtverstoß. Anders gesagt: Wer sich für Arbeit bezahlen lässt, die nie stattgefunden hat, spielt nicht nur mit dem Vertrauen des Arbeitgebers – sondern auch mit dem eigenen Job.

So können Chefs aufdecken, ob getrickst wird

Arbeitszeitbetrug ist schwer nachzuweisen – vor allem im Homeoffice. Dennoch gibt es für Führungskräfte einige Anzeichen, auf die sie achten können:

  • Plötzlicher Leistungsabfall, obwohl keine äußeren Gründe erkennbar sind.
  • Mitarbeitende sind oft „nicht erreichbar“, trotz angeblich laufender Arbeitszeit.
  • Widersprüche in der Zeiterfassung, z. B. wenn Arbeitszeiten nicht mit dem tatsächlichen Output übereinstimmen.
  • Auffällig viele Krankmeldungen oder „verlängerte“ Mittagspausen.

Technische Tools wie digitale Zeiterfassung oder Projekt-Tracking-Software können helfen – ebenso wie regelmäßiger persönlicher Austausch. Denn wer seine Mitarbeitenden kennt, merkt schneller, wenn etwas aus dem Ruder läuft.

Betrug statt „balance“

Mal ehrlich: Wenn man 5 Tage bezahlt wird, aber nur einen davon arbeitet – dann ist das kein cooler Lifehack, sondern schlicht Diebstahl am Unternehmen. Auch wenn die TikTok-Welt das als „Selbstschutz“ oder „Work-Life-Balance“ feiert – irgendwo hört der Spaß auf. Unternehmen müssen jetzt klare Kante zeigen. Nicht mit Überwachung, sondern mit Transparenz, Erwartungen und auch Konsequenzen. Denn Vertrauen ist gut – aber Kontrolle rettet manchmal den Umsatz.

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