Capri zieht die Reißleine: Wer Touristen bedrängt, zahlt jetzt kräftig

Veröffentlicht am: 10.April.2026Kategorien: RechtlichesLesezeit: 3 Min.
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Christina Schröder schreibt über rechtliche Themen für den Love & Law Blog bei Recht 24/7.

Bild: Neirfy / Shutterstock.com

Capri ist für viele das Bild vom perfekten Italien-Urlaub: Sonne, Meer, schroffe Felsen, elegante Hotels und enge Gassen voller Leben. Doch genau dieses Urlaubsgefühl soll auf der Mittelmeerinsel zuletzt immer öfter gestört worden sein – und zwar nicht durch Lärm oder Müll, sondern durch aufdringliche Geschäftemacher. Wie der Stern berichtet, will die Kommune auf Capri das jetzt nicht länger hinnehmen und hat eine klare Regel eingeführt: Wer Touristen auf offener Straße bedrängt, um Restaurantbesuche, Bootstouren oder andere Angebote zu verkaufen, muss künftig mit Geldbußen rechnen.

Flyer, Lockrufe, Anquatschen: Damit soll Schluss sein

Die neue Regelung ist im Kern simpel. Gewerbetreibende, Anbieter touristischer Dienstleistungen und ihre Mitarbeiter dürfen Urlauber nicht mehr mit aufdringlichen oder hartnäckigen Methoden ansprechen, wenn sie sich auf öffentlichem Grund bewegen. Gemeint ist also genau das, was viele Reisende aus klassischen Ferienorten kennen: Jemand tritt ungefragt an sie heran, wedelt mit Flyern, lockt mit Sonderpreisen oder versucht, sie direkt in ein Lokal oder auf ein Ausflugsboot zu ziehen.

Wer sich nicht daran hält, riskiert nach der neuen Verordnung eine Strafe zwischen 25 und 500 Euro. Capri setzt damit ein klares Signal: Die Insel will ihre Gäste nicht nur anziehen, sondern ihnen auch ein Mindestmaß an Ruhe lassen.

Massentourismus bringt die Insel an ihre Grenzen

Die Entscheidung kommt nicht aus dem Nichts. Capri gehört zu den bekanntesten Reisezielen Italiens. Die Insel im Golf von Neapel zieht Jahr für Jahr Besucher aus aller Welt an. Auf der Insel selbst leben nur rund 13.000 Menschen, im Sommer strömen aber täglich Zehntausende Tagesgäste dorthin. Gerade im historischen Zentrum und rund um den Hafen wird es deshalb schnell eng.

Die Kommune begründet ihre Maßnahme genau mit diesem Druck. Wo große Menschenmengen unterwegs sind, wird aufdringliche Werbung nicht nur lästig, sondern schnell auch ein echtes Ordnungsproblem. Es geht deshalb nicht allein um genervte Touristen, sondern auch um ein gepflegtes Ortsbild und darum, dass Fußgänger- und Autoverkehr nicht zusätzlich behindert werden.

Capri ist kein Einzelfall

Interessant ist: Capri ist mit diesem Schritt nicht allein. In vielen italienischen Urlaubsorten gehört aggressives Anwerben inzwischen fast zum Straßenbild. Auch andere Gemeinden haben deshalb begonnen, härter durchzugreifen. Am Gardasee hatte Torri del Benaco bereits im vergangenen Sommer ähnliche Regeln eingeführt. Dort dürfen Restaurant- und Bar-Mitarbeiter Touristen ebenfalls nicht mehr aktiv und penetrant mit Flyern oder direkter Ansprache in ihre Lokale locken.

Das zeigt, wohin die Reise geht. Italienische Tourismusorte wollen offenbar stärker kontrollieren, wie öffentlich um Kundschaft geworben wird. Für Urlauber dürfte das eine gute Nachricht sein. Für Gastronomen und Anbieter heißt es dagegen: Werbung ja, Belästigung nein.

Der spannende Punkt ist aber ein anderer: Solche Regeln sind verständlich, weil niemand im Urlaub im Minutentakt abgefangen werden will. Trotzdem lösen sie nicht das eigentliche Problem. Capri leidet nicht wegen ein paar Flyern, sondern wegen eines Tourismusmodells, das an vielen Tagen längst aus dem Ruder läuft. Wer wirklich für Entlastung sorgen will, muss mehr tun, als nur die lautesten Verkäufer abzustellen. Sonst bleibt am Ende nur eine hübsch verpackte Ordnungsvorschrift für ein viel größeres Chaos.

 

Quellen: stern.de

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