Quadrat-Alarm im Snack-Regal: Ritter Sport zieht weiter – und Mannheim kontert mit dem „Klageriegel“

Veröffentlicht am: 10.Februar.2026Kategorien: RechtlichesLesezeit: 3 Min.
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Kilian Floß verfasst Blogartikel zu rechtlichen und tagesaktuellen Themen für den Love & Law Blog.

Bild: Lazy_Bear / Shutterstock.com

Ein Quadrat wird zum Zankapfel

Manchmal reicht eine Form, um richtig Ärger auszulösen. In diesem Fall: ein Quadrat. Ritter Sport ist seit Jahrzehnten dafür bekannt, Schokolade „quadratisch, praktisch, gut“ zu verkaufen – und die typische Aufmachung gilt als starkes Erkennungszeichen. Genau an dieser Stelle knirscht es jetzt mit einem Mannheimer Anbieter, der einen Hafer-/Müsliriegel in quadratischer Form und Aufmachung auf den Markt gebracht hat. SWR Aktuell berichtet über den Fall.

Der Riegel heißt „Monnemer Quadrat Bio“ – „Monnemer“ als regionale Ansage, „Quadrat“ als Hinweis auf Mannheim, wo das Stadtzentrum in Quadrate eingeteilt ist. Für den Hersteller Wacker ist das eine lokale Idee. Für Ritter Sport ist es ein potenzieller Griff in die eigene Marken-Schublade.

Warum Ritter Sport nicht locker lässt

Ritter Sport hat vor dem Landgericht Stuttgart verloren, akzeptiert das aber nicht und geht in die nächste Runde: Es wurde Berufung beim Oberlandesgericht Stuttgart eingelegt. Hinter diesem Schritt steckt ein klares Signal: Das Unternehmen will verhindern, dass sich ähnliche quadratische Verpackungen bei Snacks „einschleichen“ und sich irgendwann eine graue Zone bildet, in der das Quadrat als Wiedererkennung verwässert.

Der Kern der Argumentation ist leicht nachvollziehbar, auch ohne Fachvokabular:
Wenn zwei Produkte im Ladenregal ähnlich wirken, kann das beim schnellen Zugreifen zu falschen Gedanken führen – „ach, das ist doch von denen“ oder „gehört irgendwie dazu“. Ritter Sport betont außerdem, dass Schokoriegel/Schokolade und Müsliriegel im Alltag oft dieselbe Rolle spielen: schneller Snack, ähnliche Zielgruppe, ähnliche Situation. Und genau da sieht man das Risiko einer Kollision.

Was das Gericht bisher anders sieht

Das Stuttgarter Gericht hat zunächst keinen Regelbruch erkannt. Die grobe Linie: Schokolade ist nicht gleich Haferriegel. Und wenn die Produkte nicht eng genug zusammenpassen, wird es schwer, eine echte Verwechslung oder ein „Mitfahren“ auf dem guten Ruf zu begründen.

Heißt: Selbst wenn etwas ähnlich aussieht, ist nicht automatisch alles verboten – zumindest nicht nach der ersten Entscheidung. Wichtig ist aber: Das Urteil ist damit noch nicht endgültig, weil die Berufung den Fall weiteröffnet.

Wackers Reaktion: zurückrudern, aber nicht aufgeben

Der Mannheimer Hersteller hat nach dem Urteil zwar Rückenwind bekommen, ist aber trotzdem vorsichtig. Der quadratische Riegel wurde zeitweise aus dem direkten Verkauf genommen bzw. stark reduziert. Der Grund ist nicht „Einsicht“, sondern Risiko-Management: Wenn ein höheres Gericht am Ende doch anders entscheidet, könnte das teuer werden – und dann zählt jeder zusätzlich verkaufte Artikel als möglicher Verstärker des Problems.

Gleichzeitig zeigt Wacker Humor und Sturheit im besten Sinne: Statt ganz zu verschwinden, wurde ein länglicher Ersatz ins Sortiment gestellt – mit einem Namen, der wie eine kleine Spitze wirkt: „Monnemer Klageriegel“. Das ist cleveres Marketing, aber auch ein Zeichen: Man fühlt sich angegriffen und macht es sichtbar.

Und was bedeutet das für alle anderen?

Dieser Streit ist größer als ein Snack. Es geht darum, wie weit ein Unternehmen eine bekannte Form „abschirmen“ darf – vor allem dann, wenn die andere Seite nicht die gleiche Ware verkauft, sondern etwas, das nur in der Snack-Welt danebenliegt. Wenn Ritter Sport gewinnt, wird das als Warnsignal verstanden werden: Auch bei ähnlichen Produktkategorien kann das Design-Messer schnell an der Kehle sein. Wenn Wacker am Ende durchkommt, wäre das eine Ermutigung für kleine Marken: regionale Ideen und einfache Formen sind nicht automatisch tabu.

Der kritische Kommentar zum Schluss

Konsequent die eigene Marke zu schützen ist verständlich – aber es kann auch schnell nach „Besitzanspruch auf Geometrie“ aussehen. Ein Quadrat ist kein geheimes Rezept, sondern eine Grundform, die überall existiert: in Städten, auf Notizzetteln, in Logos, in Architektur. Wenn die Botschaft am Ende lautet „Quadrat gehört nur einem“, dann wird Innovation nicht gefördert, sondern eingeschüchtert.

Und ganz ehrlich: Wenn ein kleiner Hersteller aus Mannheim einen Snack nach dem Stadtprinzip benennt, wirkt ein harter Dauerprozess schnell wie Kanonen auf Spatzen. Marken sollen Orientierung geben – nicht den Alltag so regeln, dass man am Ende Angst vor jeder Ecke und Kante im Design hat.

 

 

Quelle: swr.de

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