Mozartkugel-Schock: Altes Inserat entfacht neuen Süßigkeiten-Krieg
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Kleine Kugel, großer Streit – und jetzt eine historische Wende?
In Österreich ist sie mehr als nur eine Praline – die Mozartkugel ist Kulturgut, Touristenmagnet und Dauerbrenner im Süßwarenregal. Seit über 130 Jahren streiten sich Hersteller um die Rechte an der berühmten Kugel. Doch nun gibt es eine überraschende Wendung: Ein Zeitungsinserat aus dem Jahr 1881 wirft alles über den Haufen, was man bisher über den Ursprung der Mozartkugel zu wissen glaubte.
Laut gängiger Geschichte wurde die erste Mozartkugel 1890 von Paul Fürst in Salzburg hergestellt. Sein Familienbetrieb darf die Kugel deshalb bis heute als „Original Salzburger Mozartkugel“ verkaufen – mit richterlichem Segen. Doch ein Fund des Salzburger Historikers Gerhard Ammerer bringt diese Version nun ins Wanken.
Das Inserat, das die Geschichte neu schreibt
Denn in der Tageszeitung „Die Presse“ wurden bereits 1881 „Mozartkugeln, hochfeine Chocolade-Bonbons.“ beworben. Und zwar vom Konditormeister Rudolf Baumann – einem direkten Konkurrenten Paul Fürsts. Damit wären die süßen Kugeln nicht nur neun Jahre älter, sondern möglicherweise auch von jemand anderem erfunden worden.
Baumanns Nachfahren, die Konditorenfamilie Holzermayr, sehen offenbar ihre Stunde gekommen. Nach Jahrzehnten im Schatten der „blauen Kugel“ von Fürst wollen sie jetzt anscheinend mitmischen – vielleicht sogar mit einem Anspruch auf die wahre Originalität.
Markenrechte, Mythen und Mozart
Dass sich in Österreich über Schokoladekugeln gestritten wird, hat fast schon Tradition. Über die Jahre haben sich verschiedenste Hersteller um die Bezeichnung „Mozartkugel“ gestritten.
Die juristische Lage ist verzwickt: Zwar darf jeder Hersteller den Namen verwenden, aber nicht das Wörtchen „original“ – das ist exklusiv Fürst vorbehalten. Mit dem neuen Fund könnte sich das ändern. Denn wenn Baumann tatsächlich der Erste war, dann wäre Fürst „nur“ derjenige, der den größten Erfolg hatte – aber nicht der Erfinder. Ein Szenario, das sowohl für die Markenrechte als auch für das Selbstverständnis der Salzburger Pralinenkultur Sprengkraft hat.
Wenn Geschichte bröckelt, bröckelt auch der Markenschutz
Juristisch gesehen ist der Fall hochinteressant: Wenn neue Beweise auftauchen, die den ursprünglichen Ursprung infrage stellen, können sich daraus Rückschlüsse auf die Schutzwürdigkeit einer Marke ergeben. Im Klartext: Der Markenschutz könnte wackeln – oder zumindest neu bewertet werden.
Wir sagen: Das letzte Wort ist hier noch lange nicht gesprochen. Der Süßigkeitenkrieg um die Mozartkugel wird jetzt nicht nur auf Marketing-Ebene geführt, sondern möglicherweise bald wieder vor Gericht. Und dann stellt sich die alles entscheidende Frage:
Was wiegt schwerer – die tatsächliche Erfindung oder die jahrzehntelange Tradition?
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