Griechenland sperrt TikTok & Co für unter 16-Jährige – kommt das jetzt auch zu uns?
Digitaler Hausarrest für Minderjährige?
Ab Ende Oktober ist Schluss mit TikTok, Instagram und Co – zumindest für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren in Griechenland. Als erstes Land in der EU zieht der Mittelmeerstaat die Notbremse und verbietet Minderjährigen per Gesetz den Zugang zu sozialen Netzwerken. Die Regierung spricht von einem „entscheidenden Schritt zum Schutz der psychischen Gesundheit von Kindern“.
Möglich wird das Ganze durch eine neue App namens „Kids Wallet“. Sie wird direkt auf dem Smartphone installiert und erkennt, ob das Gerät einem Kind gehört. Ist das der Fall, werden Plattformen wie Facebook, X (ehemals Twitter), Instagram oder TikTok automatisch blockiert. Auch Dating-Apps wie Tinder oder Seiten mit Glücksspiel, Alkohol oder Pornografie fliegen raus – sogar für unter 18-Jährige.
Die Technik dahinter wurde in Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission entwickelt und soll künftig in ganz Europa ausgerollt werden.
Die neue Technik: Kontrolle am Gerät, nicht nur im Account
Was Griechenland macht, geht deutlich weiter als bisherige Maßnahmen in anderen Ländern. Während viele Plattformen bisher einfach auf Altersangaben beim Registrieren setzen (die jeder leicht fälschen kann), funktioniert das neue System über eine Art „Gerätepass“.
Mit der „Kids Wallet“ wird ein Gerät eindeutig einem minderjährigen Nutzer zugeordnet – und die App blockiert automatisch bestimmte Inhalte und Anwendungen. Selbst wer sich ohne Konto einloggen will, kommt nicht durch. Technisch clever, aber auch ein ziemlich harter Eingriff in die digitale Freiheit.
Langfristig soll dieses System in den neuen digitalen EU-Ausweis (eID) integriert werden, der ab Ende 2026 kommen soll. Damit könnten Altersfreigaben dann EU-weit sicher und automatisch kontrolliert werden – auf Knopfdruck.
Österreich sieht Handlungsbedarf – aber tut (noch) nichts
Auch in Österreich wird diskutiert. Staatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) nennt die aktuelle Situation einen „eklatanten Missstand“. Zwar gilt dort offiziell ein Mindestalter von 14 Jahren für soziale Netzwerke – aber wie viele Jugendliche halten sich daran? Und wie viele Plattformen kontrollieren das überhaupt?
Pröll will die Anbieter stärker in die Pflicht nehmen, verweist aber gleichzeitig auf fehlende technische Lösungen. Da wirkt der Schritt aus Griechenland wie ein Weckruf für andere Länder.
Australien geht bereits seit Monaten einen ähnlichen Weg und verbietet Minderjährigen unter 16 Jahren den Zugang zu Social Media – auch dort mit staatlich kontrollierten Altersnachweisen.
Wo hört Verantwortung auf, wo beginnt Kontrolle?
Natürlich ist der Schutz von Kindern und Jugendlichen im Netz wichtig – keine Frage. Aber der Weg, den Griechenland jetzt geht, hat auch einen Haken: Er baut auf totale Kontrolle. Die Technik klinkt sich tief ins Gerät ein, schränkt ein, blockiert, überwacht.
Das ist nicht nur ein Eingriff in die persönliche Freiheit, sondern wirft auch ganz neue Fragen auf: Was, wenn ein Teenager mit dem Handy seiner Eltern surft? Wer kontrolliert die Kontrolle? Und was ist eigentlich mit Aufklärung und Medienkompetenz?
Statt allein auf Technik zu setzen, wäre es sinnvoller, Eltern, Schulen und Jugendliche besser einzubinden. Denn eins ist klar: Ein Verbot ersetzt kein Gespräch. Und eine App ersetzt keine Erziehung. Wer Kinder schützen will, muss ihnen beibringen, wie die digitale Welt funktioniert – nicht nur, wie man sie ausschließt.
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