Für Veggie bald verboten? EU will den Schnitzel-Streit per Gesetz beenden!
Ein Burger ist kein Burger – oder doch?
Darf ein Veggie-Burger noch Burger heißen? Oder ist ein Soja-Schnitzel bald nur noch ein „pflanzliches Bratstück“? Genau darüber wird in Brüssel derzeit heftig gestritten. Hintergrund: Die EU plant ein Namensverbot für vegane Fleischalternativen. Was bislang nach freier Wahl im Supermarktregal klang, könnte bald gesetzlich geregelt sein – zugunsten der Fleischindustrie.
Im Zentrum des Ganzen steht ein Vorschlag aus dem Landwirtschaftsausschuss des EU-Parlaments. Wie der Münchner Merkur berichtet sollen Begriffe wie „Burger“, „Schnitzel“, „Steak“ oder „Wurst“ ausschließlich echten Fleischprodukten vorbehalten sein. Auch Begriffe wie „Eigelb“ oder „Eiweiß“ sollen laut EU-Dokument künftig nur noch für tierische Produkte verwendet werden dürfen.
Die Begründung? Konsumenten würden durch die bisherigen Bezeichnungen angeblich in die Irre geführt. Die Grünen halten dagegen: „Niemand wird ein Seitanschnitzel mit einem Kalbsschnitzel verwechseln.“
Der Streit um die Etiketten
Federführend bei der Initiative ist die EVP – also die Fraktion der Christdemokraten, zu der auch CDU und CSU gehören. Die französische Berichterstatterin Céline Imart bringt es aus ihrer Sicht auf den Punkt: „Ein Steak ist aus Fleisch gemacht – Punkt.“ Es gehe um Verbraucherschutz, Transparenz – und den Schutz der Bauern.
Doch aus Sicht der Kritiker ist genau das Gegenteil der Fall. Die Grünen sprechen von „billigem Populismus“, der vor allem Landwirten und Konsumenten schade. Wenn vegane Produkte nicht mehr so heißen dürften, wie sie es bisher tun, verliere der Verbraucher die Orientierung – und Produzenten pflanzlicher Alternativen würden wirtschaftlich ausgebremst.
Auch die SPD ist gegen das Verbot. Europaabgeordnete Maria Noichl meint: Die Diskussion sei am Thema vorbei. Wichtiger wäre eine klare Herkunftskennzeichnung bei echtem Fleisch: Woher stammt es? Wie wurden die Tiere gehalten? Solche Infos fehlen bisher auf vielen Verpackungen – aber gerade sie würden echten Unterschied machen.
EU-Kontrollwut oder legitimer Verbraucherschutz?
Was vielen nicht klar ist: Ein ähnlicher Versuch stand schon einmal vor dem Europäischen Gerichtshof – und wurde abgelehnt. Damals entschieden die Richter, dass Begriffe wie „veganer Burger“ oder „Soja-Wurst“ erlaubt sind, solange die Verpackung keine Täuschung darstellt.
Trotzdem arbeitet die EU-Kommission nun erneut an einer verschärften Version. Der aktuelle Entwurf aus dem Agrarausschuss ist zwar noch nicht final – aber die Richtung ist klar: Man will Fleisch als Begriff schützen. Ob dabei auch pflanzliche Lebensmittelrechte auf der Strecke bleiben, wird sich in der Plenarabstimmung im Oktober zeigen.
Ist das wirklich nötig?
Es wirkt wie eine Scheindebatte, bei der der eigentliche Punkt aus dem Blick gerät: Kein Mensch denkt bei einem „Veganen Burger“ an ein Rind, und niemand fühlt sich betrogen, wenn ein Tofu-Schnitzel nach Schnitzel aussieht – aber eben keines ist. Die Namenspolizei der EU hat offenbar andere Sorgen als Tierwohl, Umweltschutz oder Konsumentenrechte. Wer „Schnitzel“ auf Erbsenbasis verbieten will, macht sich nicht nur lächerlich, sondern schadet einer ganzen Branche – und am Ende auch den Menschen, die einfach bewusster essen wollen.
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