Check24 unter Druck: Millionen-Strafen für „Zahlen-Verstecken“ – und die Branche kocht
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Ein Vergleichsportal lebt vom Vertrauen: Klick, Abschluss, fertig. Doch jetzt steht ausgerechnet Check24 im Rampenlicht – nicht wegen eines neuen Super-Deals, sondern wegen fehlender Geschäftszahlen. Das Bundesamt für Justiz (BfJ) hat gegen Check24 und mehrere Tochtergesellschaften Ordnungsgeldverfahren angestoßen. Der Kern des Vorwurfs: Abschlüsse, die öffentlich sein sollten, seien über mehrere Jahre nicht veröffentlicht worden. Und plötzlich geht es nicht mehr nur um Preise, sondern um Transparenz – also darum, wer im Markt eigentlich wie stark ist. reisevor9.de berichtet über den Fall.
Der Auslöser: Abschlüsse fehlen – und das kostet richtig Geld
Nach Informationen des Fachportals FVW hat das BfJ Ordnungsgelder festgesetzt, weil Jahresabschlüsse und Konzernabschlüsse über mehrere Geschäftsjahre nicht offengelegt worden sein sollen. Insgesamt geht es laut einer Sprecherin um rund vier Millionen Euro. Den größten Brocken trägt demnach die Konzernmutter: 2,88 Millionen Euro sollen gegen die Check24 GmbH festgelegt worden sein. Das ist kein symbolischer Klaps, sondern eine Ansage: Wer Zahlen zurückhält, muss bezahlen.
Warum gerade Reisen so ein Nerv trifft
Besonders heftig diskutiert wird das Ganze in der Reisebranche. Dort wird seit Jahren darüber spekuliert, wie groß Check24 im Touristikgeschäft tatsächlich ist. Branchenkenner schätzen laut Bericht inzwischen einen vermittelten Umsatz von etwa acht Milliarden Euro. Zusätzlich steht eine weitere Zahl im Raum: ein Veranstalterumsatz von fast einer Milliarde Euro. Solche Größenordnungen sind relevant, weil sie den Ton im Markt mitbestimmen – bei Werbung, bei Konditionen, bei der Frage, wer Druck auf kleinere Anbieter ausüben kann.
Dazu kommt ein weiterer Streitpunkt: Check24 wird immer wieder vorgeworfen, im Reisebereich besonders aggressiv über Cashback zu arbeiten und Gewinne dort eher klein zu halten – nicht unbedingt aus „Nettigkeit“, sondern weil andere Geschäftsfelder (wie Versicherungen) deutlich profitabler sein könnten. Manche vermuten auch, dass das Reisegeschäft genutzt wird, um Kontakte und Daten zu sammeln, die später anderswo Geld bringen. Beweisen oder widerlegen lässt sich das ohne Einblick in aktuelle Zahlen kaum.
Reisebüros fordern Klartext statt Nebel
Der Verband unabhängiger selbstständiger Reisebüros (VUSR) kritisiert die Lage seit Längerem. Dort heißt es, zuletzt seien am 31. März 2017 Zahlen veröffentlicht worden und seitdem sei nichts Vergleichbares mehr nach außen gegangen. VUSR-Chefin Marija Linnhoff bemängelte bereits öffentlich, die Entwicklung sei so nicht nachvollziehbar. Und sie verbindet das direkt mit der Fairness im Wettbewerb. Ihr Satz sitzt, weil er so schlicht ist: “Ob dieser Wettbewerb fair verläuft, lässt sich nur beurteilen, wenn alle relevanten Marktteilnehmer die gesetzlich vorgesehenen Zahlen transparent offenlegen”.
Der kritische Kommentar zum Schluss
Vier Millionen Euro sind viel Geld – aber entscheidend ist, ob es für einen großen Player wirklich weh tut. Wenn fehlende Transparenz am Ende nur „eingepreist“ wird, bleibt der Effekt begrenzt: Kleine Anbieter kämpfen mit offenem Visier, während Große im Schatten spielen. Wer einen Markt will, in dem Leistung gewinnt und nicht nur Budget, muss dafür sorgen, dass Intransparenz nicht als Geschäftsmodell taugt. Sonst wird aus Vergleich am Ende Vernebelung.
Quellen: fvw.de, reisevor9.de
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