Booking.com unter Druck: Hotels wehren sich gegen Bestpreis-Falle
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Ein Aufstand der kleinen Hotels – und der hat es in sich
Plattformen wie Booking.com machen das Reisen einfach. Zimmer aussuchen, klicken, buchen – fertig. Doch hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Mehr als 15.000 Hotels aus Europa haben sich jetzt zusammengeschlossen und sagen ganz klar: So nicht mehr.
Die Klage richtet sich gegen ein System, das viele Hotelbetreiber seit Jahren nervt – manche sagen sogar: schädigt. Konkret geht es um sogenannte Bestpreisklauseln. Die besagen: Wer auf Booking.com gelistet ist, darf nirgendwo sonst einen günstigeren Preis anbieten – nicht mal auf der eigenen Website.
Die Preisbremse, die keiner wollte – außer Booking
Was wie ein faires Angebot klingt, war in Wahrheit für viele Hotels eine echte Falle. Denn Booking.com kassiert für jede Buchung saftige Provisionen – oft zwischen 15 und 25 Prozent. Und trotzdem durften Hotels ihre Zimmer nicht günstiger anbieten, wenn sie direkt gebucht wurden.
Das klingt absurd? Fanden Gerichte auch. Der Europäische Gerichtshof hat 2024 entschieden: Diese Klauseln sind wettbewerbswidrig. Sie behindern fairen Wettbewerb und schaden vor allem kleineren Betrieben, die ohnehin mit knappen Margen kämpfen.
Jetzt wollen die Hotels Schadenersatz. Und die Zahl derer, die sich der Klage angeschlossen haben, wächst. Besonders viele kommen aus Deutschland, Italien, Österreich, Griechenland und den Niederlanden.
Amsterdam wird zur Bühne – und Booking.com sitzt in der ersten Reihe
Die Klage soll noch in diesem Jahr in Amsterdam eingereicht werden, dort sitzt der europäische Hauptsitz von Booking.com. Der Hotelverband Hotrec hat den Stein ins Rollen gebracht – und die Resonanz ist laut Präsident Alexandros Vassilikos riesig: „Der marktbeherrschende Gatekeeper muss sein Verhalten ändern und Verantwortung für sein Fehlverhalten übernehmen.“
Klingt deutlich. Und es wird spannend, wie Booking.com reagiert, wenn statt einzelner Stimmen plötzlich Tausende sagen: „Genug ist genug.“
Unsere Meinung: Wer sich als Marktführer aufführt wie ein Monopolist, darf sich nicht wundern
Booking.com war lange Zeit ein praktischer Helfer – doch irgendwann hat sich die Plattform vom Vermittler zum Taktgeber entwickelt. Wer nicht spurt, fliegt raus oder landet auf Seite 10. So zumindest haben es viele Hotels empfunden.
Und jetzt zeigt sich: Die Methode war nicht nur unbequem, sondern offenbar rechtswidrig. Das Urteil aus Luxemburg spricht eine klare Sprache. Dass jetzt Tausende Betriebe gemeinsam klagen, ist ein starkes Zeichen.
Es wurde Zeit. Plattformen dürfen Macht haben – aber nicht grenzenlos. Wenn sie anfangen, die Regeln selbst zu schreiben, wird’s gefährlich. Und ungemütlich. Nicht nur für Hotels – auch für den freien Wettbewerb.
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