Drei Millionen Euro Schaden – Angestellter haftet persönlich
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Ein einziger Fehler im Job kann teuer werden. Sehr teuer. Die Wirtschaftswoche berichtet über einen Fall aus dem Raum Siegburg, der selbst erfahrene Arbeitnehmer aufschrecken dürfte: Ein Vertriebsleiter eines Energieversorgers traf eine falsche Entscheidung, hielt sie offenbar viel zu lange unter Verschluss – und löste damit einen Schaden von mehr als drei Millionen Euro aus. Die große Frage vor Gericht war am Ende: Muss ein Angestellter für so etwas tatsächlich mit seinem privaten Geld geradestehen?
Die Antwort lautet: ja, aber nicht grenzenlos.
Ein erfahrener Mann – und dann dieser eine folgenschwere Fehler
Der Mitarbeiter war kein Anfänger. Seit mehr als 20 Jahren arbeitete er für das Unternehmen und betreute Geschäftskunden. Gerade deshalb wog sein Fehler besonders schwer. Er schloss einen Stromliefervertrag ab, ohne ihn wie vorgeschrieben direkt abzusichern. Genau diese Absicherung war im Unternehmen vorgesehen, damit aus einem Geschäft kein gefährliches Glücksspiel mit den Energiepreisen wird.
Zunächst fiel das womöglich nicht sofort ins Gewicht. Doch dann kam Anfang 2022. Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine schossen die Strompreise in die Höhe. Was vorher vielleicht noch beherrschbar wirkte, wurde plötzlich zum Desaster. Das Unternehmen musste Strom deutlich teurer einkaufen, als es ihn verkauft hatte. So wuchs der Verlust auf mehr als drei Millionen Euro an.
Nicht nur der Fehler war das Problem
Besonders unangenehm wurde die Sache wohl deshalb, weil der Vertriebsleiter seinen Fehler nicht früh offenlegte. Stattdessen soll er zunächst gehofft haben, dass sich der Markt wieder beruhigt und das Problem von allein verschwindet. Doch genau das passierte nicht.
Als der Vorstand nachfragte, ob das Geschäft abgesichert worden sei, erklärte der Mann offenbar, alles sei abgesichert. Das stimmte nach den Feststellungen im Verfahren gerade nicht. Aus einer falschen Entscheidung wurde damit auch ein Vertrauensproblem. Und genau an dieser Stelle wurde es für ihn richtig gefährlich. Das Unternehmen kündigte ihm fristlos. Auch sein Vorgesetzter verlor den Job, weil er den Vorgang wohl zunächst gedeckt haben soll.
Warum aus 3,16 Millionen am Ende 250.000 Euro wurden
Vor Gericht verlangte das Unternehmen 3,16 Millionen Euro Schadenersatz. Eine Summe, die für einen normalen Angestellten kaum vorstellbar ist. Der Mann verdiente rund 100.000 Euro im Jahr, dazu kamen Boni und ein Dienstwagen. In erster Instanz wurde sein Verhalten sehr streng bewertet. Dort war von massiven Pflichtverletzungen und Vertrauensmissbrauch die Rede.
In der zweiten Instanz fiel die Sache dann anders aus. Das Landesarbeitsgericht Köln zog eine Grenze. Zwar sah es weiterhin ein schweres Fehlverhalten, am Ende musste der Mann aber „nur“ rund 250.000 Euro zahlen – also etwa zwei volle Jahresgehälter inklusive weiterer Vergütungsbestandteile. Der Gedanke dahinter ist einfach: Auch bei groben Fehlern darf Haftung nicht automatisch zur wirtschaftlichen Vernichtung führen.
Warum dieses Urteil viele Beschäftigte interessieren sollte
Der Fall zeigt, dass Arbeitnehmer nicht automatisch geschützt sind, wenn sie ihrem Arbeitgeber einen großen Schaden zufügen. Wer Regeln missachtet und Probleme dann auch noch verschleiert, riskiert nicht nur die Kündigung, sondern auch eine persönliche Zahlungspflicht. Gleichzeitig macht das Urteil klar, dass Gerichte nicht jede astronomische Forderung ungeprüft durchwinken.
Und genau da liegt der heikle Punkt: Natürlich muss Verantwortung Folgen haben. Aber wenn normale Angestellte bei unternehmerischen Risiken plötzlich mit Summen konfrontiert werden, die ihr gesamtes Leben ruinieren könnten, stimmt etwas am System nicht. Wer Millionenverantwortung auf Schultern legt, die dafür weder bezahlt noch abgesichert sind, darf sich über solche Fälle nicht wundern. Verantwortlich handeln müssen Arbeitnehmer – fair mit Verantwortung umgehen aber genauso die Unternehmen.
Quelle: wiwo.de
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