Mit 60 raus – nach drei Jahrzehnten im selben Job: Ein Fall, der viele trifft

Veröffentlicht am: 10.Februar.2026Kategorien: Arbeitswelt, RechtlichesLesezeit: 3 Min.
Avatar-Foto
Nora Wölflick schreibt über interessante, aktuelle Themen für den Love & Law Blog bei Recht 24/7.

Bild: fizkes / Shutterstock.com

Wenn „Betriebstreue“ plötzlich nichts mehr wert ist

Dreißig Jahre lang geht man morgens in denselben Betrieb, kennt Abläufe, Leute, Kunden, vermutlich auch die schlechten Jahre – und dann kommt eines Tages die Kündigung. Genau das ist einer 60-jährigen Frau aus Kärnten passiert. Für sie war das nicht nur ein Jobverlust, sondern ein harter Schnitt: nach so langer Zeit fühlt sich das schnell wie ein Rauswurf aus dem eigenen Alltag an.

Die Arbeiterkammer Kärnten sieht darin kein Einzelstück, sondern ein Muster: Gerade im Süden Österreichs häufen sich Fälle, in denen ältere Beschäftigte aus ihrer Sicht unfair behandelt werden. Der Focus berichtet in Bezugnahme auf das österreichische Portal „Heute“.

Sie wehrt sich – und bekommt Geld statt „Weiter so“

Die Frau ging nicht still nach Hause, sondern holte sich Hilfe bei der Arbeiterkammer und focht die Kündigung an. Das war erfolgreich: Am Ende stand für sie eine Entschädigung in Höhe eines Jahresgehalts im Raum bzw. wurde zugesprochen.

Trotzdem will sie nicht mehr zurück. Und dieser Satz sitzt: „Ich komme nicht mehr in einen Betrieb zurück, in dem man mich nach so vielen Jahren plötzlich nicht mehr will.“ Selbst wenn man rechtlich gewinnt, bleibt oft ein kaputtes Verhältnis. Wer einmal erlebt hat, wie schnell man vom „Urgestein“ zum „Problem“ erklärt wird, hat auf ein Comeback häufig keine Lust mehr.

Im Streit soll der Arbeitgeber zudem kräftig ausgeteilt haben. Das ist leider typisch: Wenn es juristisch eng wird, wird die Geschichte gern umgeschrieben – plötzlich heißt es dann, es habe „eh schon länger“ nicht gepasst. Für Betroffene ist das nicht nur ärgerlich, sondern auch menschlich extrem verletzend.

Das fiese Detail: Wer zu spät reagiert, verliert oft alles

Ein wichtiger Punkt, den die Arbeiterkammer betont: Viele kennen ihre Möglichkeiten nicht. Und noch schlimmer: Es gibt kurze Fristen. In Kärnten muss eine Kündigung laut Bericht innerhalb von zwei Wochen angefochten werden. Wer da erstmal schluckt, sich sortiert, hofft oder sich schämt, kann diese Chance verpassen.

Gerade ältere und langjährige Mitarbeiter haben zwar oft bessere Karten, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind (z. B. eine Mindestdauer im Job und die Rolle des Betriebsrats). Aber Schutz hilft nur, wenn man ihn rechtzeitig zieht.

Blick nach Deutschland: Das Problem ist längst da

Auch in Deutschland ist Altersbenachteiligung im Job kein Randthema. Laut Antidiskriminierungsstelle berichten viele Menschen, dass sie wegen ihres Alters schlechter behandelt wurden – besonders rund um Arbeit: Kündigungen, Verlängerungen, Bewerbungen. Und genau hier liegt der zweite Schlag: Wer mit 55/60 rausfliegt, findet oft schwerer wieder etwas, selbst wenn Erfahrung ohne Ende da ist.

Was wir dazu sagen

Der Fall zeigt ein unangenehmes Prinzip: Erfahrung wird gefeiert, solange sie billig ist. Wird sie teurer oder „unbequemer“, wird aus dem langjährigen Mitarbeiter schnell eine Zahl in der Tabelle. Und dann wundern sich Firmen über miese Stimmung und fehlende Loyalität bei Jüngeren.

Am Ende bleibt der fade Eindruck: Manche Unternehmen wollen Treue – aber nur, solange sie einseitig ist. Sobald es ernst wird, zählt nicht die Leistung von 30 Jahren, sondern nur, wie schnell man jemanden ersetzen kann. Das ist nicht modern, das ist einfach nur kalt.

 

Quelle: focus.de

Lass Dich nicht unfair behandeln! Buche jetzt eine Beratung und schütze Deine Rechte bei Kündigungen.

Zum Festpreis 169 EURO (brutto)