Diagnose beim Einkaufen? Warum Ärzte jetzt Alarm schlagen
Bluttest zwischen Shampoo und Zahnpasta – kann das gut gehen?
In manchen dm-Filialen gibt’s jetzt nicht nur Duschgel und Cremes, sondern auch Gesundheits-Checks: Hautanalyse, Augenscreening, sogar Bluttests – direkt im Laden, ganz ohne Termin. Klingt erstmal praktisch: Schnell beim Einkaufen noch was für die Gesundheit tun. Doch genau davor warnen Ärzte jetzt deutlich.
Die Bundesärztekammer geht sogar so weit, ein Verbot dieser Angebote zu fordern. Auch Augenärzte und Hautärzte kritisieren das neue Konzept scharf. Denn so einfach, wie es scheint, ist Gesundheit eben nicht.
Medizin ist mehr als ein schneller Scan
„Medizinische Diagnostik lässt sich nicht im Vorbeigehen erledigen“, sagt Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer. Und genau das passiert gerade: Menschen lassen sich scannen oder analysieren – ohne echtes Gespräch, ohne Untersuchung, ohne ärztliche Einschätzung.
Das Risiko: Die Ergebnisse können verunsichern, obwohl gar nichts ist. Oder – noch gefährlicher – sie wiegen in falscher Sicherheit. Wer dann nicht zum Arzt geht, übersieht vielleicht ein echtes Gesundheitsproblem. Reinhardt betont: „Zu einer echten Diagnose gehört mehr als ein einzelner Messwert.“ Nämlich eine gründliche Einschätzung, oft auch Rückfragen und manchmal weitere Untersuchungen.
Was, wenn etwas schiefläuft?
Noch ein Punkt, der vielen gar nicht bewusst ist: Was passiert eigentlich, wenn beim Test etwas schiefgeht? Blut abnehmen ist keine Kleinigkeit. Wer umkippt oder eine allergische Reaktion bekommt, braucht schnelle Hilfe. Aber Drogerien sind nicht auf medizinische Notfälle vorbereitet. Es fehlt an geschultem Personal, an Notfallequipment – an allem, was in einer Praxis selbstverständlich wäre.
Auch die Technik hat ihre Tücken: Wird eine Blutprobe falsch gelagert oder zu spät ins Labor geschickt, können die Ergebnisse verfälscht sein. Und das bringt dann gar nichts – außer vielleicht noch mehr Verwirrung.
Digitalisierung ja – aber bitte mit Verstand
Natürlich ist es gut, wenn Gesundheit einfacher zugänglich wird. Und digitale Hilfsmittel wie KI können Ärzte unterstützen. Aber sie ersetzt keine menschliche Erfahrung. Ein Scanner erkennt vielleicht einen Fleck auf der Haut – aber er weiß nicht, was er bedeutet. Ein Arzt kann das einordnen. Er sieht den Menschen, nicht nur das Bild.
Das Problem bei den Angeboten in der Drogerie ist: Sie wirken professionell, sind es aber nicht. Menschen vertrauen den Ergebnissen – ohne zu wissen, wie wenig sie tatsächlich aussagen.
Unsere Einordnung
Ehrlich gesagt: Gesundheit gehört nicht zwischen Duschgel und Deo. Wer Blut abnimmt oder Diagnosen stellt, übernimmt Verantwortung – und die sollte man nicht an eine Ladentheke auslagern. Das hier ist keine Gesundheitsvorsorge, das ist Marketing mit Laborkittel. Wer ernst genommen werden will, muss auch ernsthaft handeln. Alles andere ist Spielerei mit echtem Risiko.
Quelle: schwaebische.de
Du möchtest Dich vor Gesundheitsrisiken beim Einkaufen schützen? Buche jetzt eine Beratung bei unseren erfahrenen Rechtsanwälten!