Ausgepumpt? Fitnessstudio scheitert mit Klage gegen 17-Jährigen
Von der Hantelbank direkt vor den Richter
So geschehen bei einem 17-Jährigen aus dem Raum München, der eigentlich nur ein paar Wochen lang mit einem Freund trainieren wollte. Am Ende landete der Fall vor dem Amtsgericht – weil das Fitnessstudio plötzlich einen 24-Monats-Vertrag über mehr als 700 Euro geltend machte. Der junge Mann und seine Mutter sahen das ganz anders – und bekamen recht.
Was war passiert? Wie die Süeddeutsche Zeitung berichtet, wollten zwei Freunde im Herbst 2021 ein zeitlich begrenztes Sonderangebot eines Studios nutzen: Ein Monat Training für zwei Personen – Preis: 39 Euro. Der Hauptnutzer meldete sich ordnungsgemäß online an und gab seinen Kumpel als Begleiter an. Soweit, so klar. Doch was das Studio daraus machte, sorgte später für mächtig Ärger.
Testmonat gebucht – Langzeitvertrag untergejubelt?
Für den Zugang zum Studio musste der 17-Jährige eine Kaution von 20 Euro zahlen – dafür gab’s einen Transponder. Zusätzlich erhielt er ein Formular, das laut Studio als „Mitgliedsantrag“ gedacht war und von seiner Mutter unterschrieben werden sollte. Ein gesondertes Formular für das Testangebot? Fehlanzeige. Das warf später Fragen auf.
Denn obwohl der Testmonat fristgerecht beendet wurde – und damit auch das Training der Begleitperson –, flatterte plötzlich eine Forderung ins Haus: Ein 24-Monats-Vertrag sei angeblich zustande gekommen. Der Preis: wöchentliche Beiträge in Höhe von 16,98 Euro, insgesamt 710,24 Euro für zwei Jahre Training. Nur: Trainiert wurde nach dem Testmonat gar nicht mehr.
Die Mutter des 17-Jährigen stellte klar: Sie habe das Formular nur unterschrieben, damit ihr Sohn den Transponder bekommt – aber ohne Felder auszufüllen oder etwas anzukreuzen. Auch der Hauptnutzer bestätigte: Es sei immer nur von einem Testmonat die Rede gewesen. Der Freund sei ausdrücklich als Begleitperson eingetragen worden – nicht als eigenständiger Vertragsnehmer.
Gericht hat wenig Mitleid mit Muskelklage
Am Ende hatte das Amtsgericht kein Verständnis für das Vorgehen des Studios. Zwar sah das Formular auf den ersten Blick nach einem Vertrag aus – inklusive gesetzter Kreuze bei bestimmten Tarifoptionen. Doch laut Aussage der Mutter waren diese Felder zum Zeitpunkt der Unterschrift leer. Das Gericht stellte klar: Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass ein Mitarbeiter des Studios diese Kreuze nachträglich – ob versehentlich oder absichtlich – ergänzt habe. Der Verdacht einer möglichen Manipulation stand im Raum.
Das Urteil: Klage abgewiesen. Die Forderung von über 700 Euro? Hinfällig. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.
Wer hier falsch gepumpt hat, ist klar
Ein 17-Jähriger unterschreibt nichts, seine Mutter ebenfalls nicht – jedenfalls nicht so, wie das Fitnessstudio es gerne hätte. Und trotzdem wird versucht, ihm einen 2-Jahres-Vertrag unterzuschieben? Sorry, aber das riecht nicht nach Versehen, sondern eher nach System. Wer auf diese Art Verträge “erzeugt”, spielt mit dem Vertrauen junger Leute – und riskiert am Ende zu Recht eine gerichtliche Abfuhr.
Vielleicht sollten manche Studios statt auf Wachstum erst mal auf Fairness trainieren.
Quelle: sueddeutsche.de
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