“Stille Nacht” bekommt Konkurrenz – Warum auf Weihnachtsmärkten immer öfter die Musik verstummt

Veröffentlicht am: 17.Dezember.2025Kategorien: RechtlichesLesezeit: 3 Min.
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Kilian Floß verfasst Blogartikel zu rechtlichen und tagesaktuellen Themen für den Love & Law Blog.

Bild: FooTToo / Shutterstock.com

Advent ohne „Last Christmas“? Das ist kein Scherz.

Weihnachtszeit ist Musikzeit – sollte man meinen. Doch auf immer mehr Weihnachtsmärkten in Deutschland, vor allem in Sachsen-Anhalt, wird es dieses Jahr deutlich ruhiger. Klassiker wie „Last Christmas“ oder „All I Want for Christmas“ bleiben aus den Lautsprechern verbannt – nicht etwa wegen eines plötzlichen Sinneswandels im Musikgeschmack, sondern aus Kostengründen.

Die Ursache: Ein Streit mit der Gema. Die Musikverwertungsgesellschaft erhebt Gebühren, wenn öffentlich Musik abgespielt wird – ob live auf der Bühne oder als Hintergrundbeschallung aus der Konserve. In der Vergangenheit beschwerten sich viele Städte über teils drastisch gestiegene Kosten. Nun haben sich Gema, Schaustellerverbände und Kommunen zwar auf einen neuen Tarif geeinigt – doch Entwarnung klingt anders.

Neue Tarife, alte Probleme: Warum weniger jetzt trotzdem mehr kostet

Zwar soll der neue Tarif laut Gema den besonderen Charakter moderner Weihnachtsmärkte berücksichtigen, die neben Verkaufsbuden auch Bühnen, Chöre oder Kinderprogramme anbieten. Doch Veranstalter wie Paul-Gerhard Stieger von der Magdeburger Weihnachtsmarkt GmbH sehen das anders. Selbst die rabattierte Regelung basiere auf alten, teuren Berechnungen – und fühle sich wie eine Preiserhöhung an.

Konkret bedeutet das: Bühnenprogramm unter der Woche? Gekürzt oder gestrichen. Weihnachtsklassiker vom Band? Nur noch punktuell – und über exakt gemeldete Lautsprecher. In Halle zum Beispiel wird komplett auf lizenzfreie Musik umgestellt. Die Stadt Stendal freut sich zwar über rund 30 % geringere Kosten – spart aber ebenfalls beim Programm.

Protest mit Stille – wenn Schweigen zur Botschaft wird

In früheren Jahren gab es aus Protest gegen die Gema-Politik sogar regelrechte „Tage der Stille“, bei denen die Weihnachtsmärkte komplett auf Musik verzichteten. Das sei nötig gewesen, weil die Gema Veranstaltungsflächen als zu klein deklariert sah – was aus ihrer Sicht zu jahrelangen Unterzahlungen führte.

Die Gema wehrt sich: Die Grundlage habe sich nicht geändert, man wolle nur fair abrechnen – und Künstlerinnen sowie Künstler angemessen vergüten. Dass dabei oft gerade kleinere Städte und gemeinnützige Veranstalter unter die Räder kommen, bleibt ein ungelöstes Problem.

Weihnachtsmärkte sind keine Techno-Partys

Was viele Verantwortliche fordern: Weihnachtsmärkte sollten nicht wie Stadtfeste behandelt werden. Sie seien kulturelle und traditionelle Veranstaltungen mit eigenem Charakter – keine kommerziellen Großevents. Der Ruf nach Sonderregelungen wird lauter. Denn was bringt ein stimmungsvoller Markt, wenn am Ende die Musik fehlt?

Viele Besucher merken vielleicht gar nicht, dass da etwas fehlt – zumindest solange die Lichter leuchten und der Glühwein fließt. Doch die stille Umstellung zeigt: Die Weihnachtszeit wird nicht nur emotional, sondern auch finanziell immer komplizierter. Kultur kostet – und wird zunehmend zur Verhandlungsmasse.

Kritische Einordnung

Wenn wir anfangen, uns „Stille Nacht“ aus Kostengründen aufzuzwingen, statt sie zu genießen, läuft irgendetwas gewaltig schief. Gema hin oder her – die Weihnachtsmärkte leben von Atmosphäre, und Musik ist nun mal der Kitt zwischen Bratwurstbude und Besinnlichkeit.

Man kann alles regulieren, auch Lautsprecher. Aber wer die Musik streicht, weil er sich am Taschenrechner verirrt, sollte sich fragen: Was feiern wir da eigentlich noch?

Quelle: MDR.de

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