Stille Nacht – aber bitte GEMA-frei!

Veröffentlicht am: 03.November.2025Kategorien: RechtlichesLesezeit: 3 Min.
Weihnachtsmarkt
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Nora Wölflick schreibt über interessante, aktuelle Themen für den Love & Law Blog bei Recht 24/7.

Musik mit Einschränkung – Weihnachten wird leiser

Der Duft von Glühwein, das Knistern der Feuerstellen, Kinderlachen und irgendwo erklingt „O du fröhliche“ – so stellen sich viele den Weihnachtsmarkt in Nördlingen vor. Doch genau beim Thema Musik gibt es ein Problem, das dem Fest der Freude seit einiger Zeit einen ganz eigenen Beigeschmack verleiht. Denn: Nicht alle Weihnachtslieder dürfen gespielt werden. Und das liegt nicht etwa an Geschmack oder Religion – sondern an der GEMA.

Seit 2023 ist die Stimmung auf der Bühne an der Alten Schranne etwas gedämpfter. Wo früher Chöre und Blaskapellen ihr Repertoire voller Klassiker zum Besten gaben, herrscht nun: Einschränkung. Und der Grund ist handfest – und teuer.

Von 20 Euro auf über 1000: Wenn Gebühren explodieren

Früher war alles einfacher – und günstiger. Wie die Augsburger Allgemeine berichtet, zahlte die Stadt Nördlingen bis 2022 täglich 20,56 Euro an die GEMA, um Musik im „Beschallungsraum“ rund um die Bühne abspielen zu dürfen. Das klang vernünftig: Man zahlte nur für das, was tatsächlich zu hören war.

Doch dann änderte sich alles, wie Nördlingens Veranstalungschef Daniel Wizinger erklärt. Die GEMA bestand plötzlich darauf, dass der gesamte Weihnachtsmarkt als Veranstaltungsfläche gilt – unabhängig davon, ob jemand am anderen Ende des Platzes die Musik überhaupt hört. Die Folge: Mehr als 1.100 Euro GEMA-Gebühren pro Tag – fast 10.000 Euro für den gesamten Markt. Da war der Ofen aus.

Musikgruppen müssen draußen bleiben – oder still sein

Um die hohen Kosten zu vermeiden, entschied die Stadt, nur noch GEMA-freie Musik zuzulassen. Das traf viele Gruppen hart. Die Kinderkantorei etwa konnte von elf eingeübten Liedern nur drei aufführen. Andere Kapellen sagten gleich komplett ab.

Zwar gibt es inzwischen einen neuen Rahmenvertrag – einen „angemessenen Kompromiss“, wie die GEMA ihn nennt. Doch im Ries empfindet man das anders: Die Kosten sinken zwar, aber 700 Euro pro Tag bleiben immer noch weit über dem, was die Gruppen selbst bekommen – 100 Euro und einen Essensgutschein. Veranstaltungschef Daniel Wizinger brachte es auf den Punkt: „Da zahlen wir an die GEMA mehr als an die Jugendgruppen.“

Bürokratie statt Besinnlichkeit

Besonders bitter: Die Beweislast liegt bei der Stadt. Sie muss nachweisen, dass die gespielten Lieder tatsächlich GEMA-frei sind. Kommunikation mit der GEMA? Nur über ein Online-Portal. Und Nachforderungen im fünfstelligen Bereich stehen für vergangene Jahre immer noch im Raum. Für größere Events wie das Stadtmauerfest wären sogar GEMA-Gebühren in Höhe von 500.000 Euro fällig gewesen – nur durch GEMA-freie Musik konnte das vermieden werden.

Der Stadtrat folgte dem Vorschlag der Verwaltung: Auch 2025 soll nur lizenzfreie Musik gespielt werden. So schade das auch ist – der finanzielle Rahmen lässt kaum Spielraum.

Ist das noch ein faires Urheberrecht?

Wenn der Schutz von Urheberrechten so ausufert, dass Kinderchöre Weihnachtslieder streichen und Blaskapellen absagen müssen, läuft etwas schief. GEMA-Gebühren dürfen nicht zu einem Luxus werden, den sich nur Großstädte leisten können. Kultur lebt vom Mitmachen – und nicht vom Auspreisen. Wer zu viel reguliert, erstickt die Musik. Auch das sollte man im Ohr behalten.

QUELLEN: Augsburger Allgemeine/Rieser Nachrichten

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