Klarna gegen Google – 7 Milliarden Euro und die Frage: Wer regiert das Netz?
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Preissuche mit System? Klarna wirft Google Marktmanipulation vor
Was passiert, wenn ein Tech-Riese wie Google den digitalen Daumen auf seine eigenen Produkte legt – und damit andere Anbieter aus dem Spiel drängt? Genau das will Klarna laut einem Bericht von onlinemarktplatz.de nicht länger hinnehmen. Im Oktober 2025 hat der schwedische Zahlungsanbieter einen Schadenersatzprozess gegen Google angestoßen – und fordert dabei satte 7,1 Milliarden Euro.
Der Vorwurf: Google soll in den letzten Jahren systematisch den hauseigenen Dienst „Google Shopping“ in den Suchergebnissen nach oben gehievt haben – und damit Konkurrenzportale wie Pricerunner, das Klarna 2022 übernommen hatte, deutlich schlechter gestellt haben. Die Folge: weniger Klicks, weniger Nutzer, weniger Umsatz. Für Klarna geht es dabei um mehr als nur Geld – es geht um die Frage, ob fairer Wettbewerb im Netz überhaupt noch möglich ist.
Und Klarna stützt sich auf eine klare rechtliche Grundlage: Schon 2017 hatte die EU-Kommission Google genau wegen dieser Praxis mit einer Milliardenstrafe belegt. Der Europäische Gerichtshof bestätigte das Urteil 2024 – was Klarna jetzt nutzt, um den eigenen wirtschaftlichen Schaden gerichtlich einzufordern.
Google reagiert – aber bleibt vage
Natürlich bestreitet Google die Vorwürfe. Man halte sich längst an die EU-Vorgaben, so die Reaktion aus dem Konzern. Andere Vergleichsportale würden auch weiterhin in den Suchergebnissen angezeigt, heißt es – der Vorwurf der Bevorzugung sei daher nicht mehr aktuell.
Für Klarna klingt das nach Verharmlosung. Der Schaden, den Pricerunner über Jahre hinweg erlitten habe, sei längst entstanden – und die wirtschaftlichen Spuren seien deutlich. Mithilfe von Analysen und Expertengutachten wurde der Verlust auf Milliardenhöhe beziffert.
Jetzt liegt der Fall beim Gericht in Stockholm – Verhandlung bis Dezember 2025. Und eines ist klar: Der Prozess wird nicht nur mit juristischem Interesse verfolgt. Es ist einer der größten Wettbewerbsprozesse, die Europas E-Commerce-Welt je gesehen hat.
Mehr als ein Rechtsstreit – es geht ums Prinzip
Klarna kämpft nicht nur um Schadensersatz – es geht ums Überleben. Einst als Fintech-Superstar gefeiert, hatte das Unternehmen in den letzten Jahren mit einem massiven Wertverlust zu kämpfen. Der Prozess gegen Google ist also auch ein strategischer Schritt, um die eigene Marktposition wieder zu stärken – und vielleicht verlorenes Vertrauen bei Investoren zurückzugewinnen.
Doch selbst wenn man Klarna wirtschaftliches Eigeninteresse unterstellt, bleibt der Kern der Klage hochbrisant. Denn das Verfahren stellt eine zentrale Frage für den digitalen Markt: Wie unabhängig sind unsere Suchergebnisse eigentlich noch? Und wer entscheidet darüber, was wir sehen – und was eben nicht?
Wenn Algorithmen bestimmen, wer sichtbar ist und wer verschwindet, dann ist das keine neutrale Technik – sondern Macht. Und Macht, die nicht kontrolliert wird, führt selten zu fairen Ergebnissen. Klarna mag finanziell unter Druck stehen, aber mit dieser Klage stellt das Unternehmen eine der wichtigsten Fragen unserer Zeit: Gehört das Internet wirklich allen – oder nur denen, die es kontrollieren?
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