„Das bezahlen wir nicht mehr“: Wie KI die Machtverhältnisse zwischen Kanzlei und Rechtsabteilung kippt
Der Druck steigt – und kommt von innen
Was sich leise mit ein paar Legal-Tech-Startups andeutete, wird jetzt zur echten Zeitenwende: Große Unternehmen setzen zunehmend Künstliche Intelligenz ein – direkt in ihren Rechtsabteilungen. Der Tenor beim Legal Tech Day 2025, wo Jurist:innen von Coca Cola, Haribo, Flix oder Hugo Boss Klartext redeten, war eindeutig: Kanzleien müssen sich warm anziehen.
Denn während bisher Anwälte in dunklen Anzügen Routineklauseln zu teuren Stundensätzen präsentierten, übernehmen das jetzt Chatbots, Vertragsgeneratoren und KI-gestützte Analyse-Tools – direkt im Unternehmen. Der Frust über überzogene Kosten und intransparente Leistungen bricht sich offen Bahn. Das neue Motto: „Entweder macht ihr das günstiger – oder wir machen es selbst.“
Die Rolle der Unternehmensjuristen verändert sich radikal
KI erledigt längst keine abstrakten Spielereien mehr. Sie ist Alltag – auch im Recht. Rechtsabteilungen nutzen KI-Tools zur Prüfung von Verträgen, Erstellung von Entwürfen und rechtlicher Risikoeinschätzung. Dadurch verändert sich auch das Selbstverständnis der Unternehmensjuristen: Sie sind nicht mehr nur rechtliche Kontrollinstanz, sondern strategische Berater mit IT-Know-how.
Lorenz Erik Wittjen (Flix) sagt offen: „Rechtswissen ist nicht mehr der Kern. Es geht um Urteilsvermögen und Strategie.“ Wer nicht mehr jeden Absatz eines 20-seitigen Vertrags selbst schreibt, hat mehr Zeit, über den Deal als Ganzes nachzudenken.
Das bedeutet auch: Die klassischen Einstiegsjobs, in denen junge Jurist:innen sich mit Standardverträgen und Klauselvergleichen hocharbeiten konnten, fallen zunehmend weg. Dennoch sieht man die Entwicklung nicht nur negativ – mit KI könne ein Unternehmen schneller wachsen und damit sogar neue Jobs schaffen, meint Haribo-Justiziar Sebastian Altmann.
Die Ansage an Kanzleien ist klar: Nicht mitspielen? Rausfliegen.
Besonders eindrücklich war ein Beispiel von Hugo Boss: Eine Kanzlei stellte 60.000 Euro für eine Prüfung in Rechnung, bei der es um Aktienkaufprogramme für Mitarbeiter ging – ein Thema, das regelmäßig überprüft wird. Die Antwort des Unternehmens: Das machen wir mit KI günstiger selbst. Die Botschaft: Wer bei Routine-Themen noch wie früher abrechnet, wird ersetzt.
Silke Engel (Coca Cola) forderte darüber hinaus mehr Ehrlichkeit bei der Abrechnung: Wofür genau zahlen wir hier eigentlich? Kanzleien müssten klar offenlegen, wie viel Zeit, Personal und vielleicht sogar KI für ein Mandat verwendet wurden. „Strategische Beratung? Gerne. Aber bei Routine wollen wir Kostentransparenz und Effizienz.“
Das bedeutet: Der Wertbeitrag externer Kanzleien verschiebt sich massiv – weg von der juristischen Massenarbeit hin zu echter strategischer Begleitung, insbesondere dort, wo spezifisches Know-how oder internationale Erfahrung gefragt ist.
Auch Anwaltsberuf durch KI unter Druck
Es war nur eine Frage der Zeit, bis Unternehmen sagten: „Wieso sollen wir euch für etwas bezahlen, das ein Tool in Sekunden erledigt?“ Der Markt für Rechtsberatung hat viel zu lange auf vermeintliche Exklusivität gesetzt – mit viel Papier, langen Fußnoten und kalkulierten Unsicherheiten. Doch KI stellt dieses System infrage – mit Tempo, Effizienz und Transparenz.
Die juristische Arbeit wird nicht verschwinden, aber sie wird sich radikal ändern. Nur wer sich von der Idee verabschiedet, jede rechtliche Handlung sei ein maßgeschneidertes Unikat, wird in Zukunft noch gebraucht. Die Guten – die strategisch Denkenden, die digital Versierten, die mit Mandanten auf Augenhöhe kommunizieren – werden sogar wichtiger denn je.
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