TikTok-Verbot für Senioren?! Wenn der Podcaster zum Netz-Polizisten wird

Veröffentlicht am: 06.Oktober.2025Kategorien: Rechtliches, Tech & E-CommerceLesezeit: 3 Min.
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Hakan Tok schreibt Artikel zu technischen Themen im Blog Recht 24/7 Love & Law.

„Dieter, leg den Ausweis bereit – du bist zu alt für TikTok!“

ARD-Podcaster Levi Penell hat in der Talkshow Hart aber fair für ordentlich Diskussionsstoff gesorgt – mit einem Vorschlag, der klingt, als wäre er aus einem Satire-Sketch. Seine Idee: Menschen über 60 von Social Media-Plattformen wie TikTok ausschließen. Warum? Weil sie angeblich leichter auf Fakes und KI-Tricks hereinfallen als Jugendliche.

Zugegeben: Penell hat das Ganze als „provokanten Vorschlag“ verkauft. Doch der Applaus im Studio zeigt, dass er mit seiner steilen These durchaus einen Nerv getroffen hat – oder zumindest für Aufsehen sorgen wollte. Nach dem Motto: Wenn Kinder geschützt werden sollen, warum nicht auch Oma und Opa?

Junge wissen’s besser? Wirklich?

Penells Argument: Junge Nutzer*innen erkennen KI-generierte Inhalte besser als ältere – deshalb müsse man auch über Altersbeschränkungen in die andere Richtung nachdenken. Die These: „Vielleicht brauchen wir ein Social-Media-Verbot für Ältere.“

Aber Moment mal: Ist das nicht genau der gleiche Altersdiskriminierungs-Reflex, den wir sonst zu Recht kritisieren? Wenn jemand vorschlägt, Teenagern bestimmte Inhalte zu verbieten, ist der Aufschrei oft groß. Aber sobald es um Ältere geht, scheint alles erlaubt zu sein?

Ex-„heute“-Moderatorin Petra Gerster brachte es auf den Punkt: Gerade für ältere Menschen ist Social Media oft das letzte verbliebene Fenster zur Welt – wenn Freunde sterben, Familienmitglieder wegziehen und der Arbeitsalltag passé ist. TikTok, Facebook & Co. schützen nicht nur vor Einsamkeit, sie ermöglichen auch Austausch, Bildung, manchmal sogar Spaß. Warum sollte man Menschen über 60 dieses Recht entziehen?

Schutz, wenn nötig, aber keine Bevormundung

Sorry, aber dieser Vorschlag ist eine digitale Altersbeleidigung im schicken Podcaster-Gewand. Wer fordert, Menschen über 60 pauschal aus sozialen Netzwerken auszuschließen, tut so, als wären sie eine Gefahr für die Demokratie. Dabei übersieht Levi Penell eines ganz Grundsätzliches: Zwischen dem Schutz von Kindern im Netz und der Kontrolle über Erwachsene liegen Welten. Und das hat gute Gründe.

Kinder und Jugendliche befinden sich in der Entwicklung – kognitiv, emotional, sozial. Sie sind leichter beeinflussbar, anfälliger für Manipulation, Gruppendruck und toxische Inhalte. Vielleicht können Jugendlich KI-generierte Inhalte leichter identifizieren, aber wenn nicht, dann fehlt ihnen oft das kritische Denken, das Wissen oder die Reife, diese Falschinformationen entsprechend einzuordnen. Deshalb braucht es hier Schutzmechanismen: nicht aus Misstrauen, sondern aus Fürsorge. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen – und genau deshalb gibt es Jugendschutzgesetze, Medienpädagogik und, ja, auch sinnvolle Altersgrenzen im Netz.

Aber Erwachsene? Die tragen Verantwortung für sich selbst. Sie dürfen wählen, Verträge abschließen, ein Auto fahren oder sogar Waffen besitzen. Wenn jemand mit 65 Jahren eine Facebook-Diskussion über Impfungen führt oder sich auf TikTok Kochrezepte anschaut, dann ist das in erster Linie seine Entscheidung. Und wenn diese Person Falschinformationen glaubt, dann ist das nicht schön – aber eben auch keine Rechtfertigung für einen digitalen Hausverweis. Man schützt keine Demokratie, indem man Meinungen aussperrt. Man schützt sie, indem man mündige Menschen ernst nimmt – auch dann, wenn sie anders denken.

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