Wirecard-Boss bricht sein Schweigen: “Der Prozess ist eine Farce!”

Veröffentlicht am: 26.September.2025Kategorien: RechtlichesLesezeit: 3 Min.
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Christina Schröder schreibt über rechtliche Themen für den Love & Law Blog bei Recht 24/7.

Bild: Ascannio / shutterstock.com

Ex-Milliardär Markus Braun spricht nach fünf Jahren U-Haft über seine Zukunft

Fünf Jahre lang war es still um den einst gefeierten Tech-Visionär Markus Braun – jetzt spricht er. In einem Interview mit dem Stern zeigt sich der frühere Wirecard-Chef kämpferisch wie eh und je. Trotz Untersuchungshaft, öffentlicher Demontage und einem der größten Wirtschaftsskandale der deutschen Nachkriegsgeschichte sieht Braun seine Zukunft noch lange nicht abgeschrieben: “Ich fühle noch viel Kraft und Energie in mir”, so Braun. Er wolle neue Themen angehen, „bis ins hohe Alter arbeiten“ und sich nicht unterkriegen lassen. Ein Mann mit Plan – trotz fünf Jahren hinter Gittern.

“Eine Farce”: Braun rechnet mit der Justiz ab

Der Prozess gegen Braun läuft seit Dezember 2022 – ein Mammutverfahren, das sich inzwischen ins dritte Jahr zieht. Braun bleibt dabei: Er sei unschuldig. Vielmehr habe ihn eine Bande um den verschwundenen Ex-Wirecard-Vertriebsvorstand Jan Marsalek und den Mitangeklagten Oliver Bellenhaus hinters Licht geführt. Besonders deutlich wird Braun, wenn es um die Justiz geht: “Der Prozess war von Beginn an eine Farce”, sagt er ohne Umschweife im Interview mit dem Stern.

Doch während Braun sich als Opfer inszeniert, sieht die Staatsanwaltschaft das ganz anders. Sie wirft ihm nicht nur milliardenschweren Betrug vor, sondern weist auch die Vorwürfe zurück, nicht gründlich genug ermittelt zu haben. Auch Bellenhaus, der mittlerweile als Kronzeuge auftritt, beschuldigt Braun schwer – und wirft ihm vor, einen „Opfermythos“ zu pflegen.

Hoffnung auf Freispruch – oder nur Wunschdenken?

Trotz allem hält Braun an seinem Ziel fest: Freispruch. “Ja. Selbstverständlich”, antwortet er klar und selbstbewusst auf die entsprechende Frage. Dass die Realität aber anders aussehen könnte, zeigt die Tatsache, dass Braun immer noch in Untersuchungshaft sitzt – und das seit mehr als fünf Jahren. Ein Indiz dafür, dass das Gericht seine Version der Geschichte bisher nicht teilt.

Für Braun selbst ist diese Zeit „eine absolute Grenzerfahrung“. Doch von Resignation keine Spur. Er spricht von einem „schwarzen Schwan“, der ihn „mit existenzieller Wucht getroffen“ habe. Doch er wolle wieder aufstehen – koste es, was es wolle.

Showdown in München – aber wann?

Ob das Verfahren noch 2025 endet, ist offen. Zwar würde das Gericht laut Medienberichten gerne noch dieses Jahr zu einem Urteil kommen, doch bisher ist die Beweisaufnahme nicht abgeschlossen. Weder Plädoyers noch ein Urteilstermin stehen bislang fest. Bis dahin bleibt Braun in Haft – und kämpft weiter um seine Version der Wahrheit.

Erzählung vs. Fakten

Wenn ein Ex-CEO Milliarden versenkt, die Verantwortung aber bei anderen sucht und den eigenen Prozess als „Farce“ bezeichnet, dann ist das vor allem eins: bemerkenswert bequem. Man kann vieles behaupten, wenn man jahrelang in Einzelhaft sitzt – aber irgendwann zählen eben keine Worte mehr, sondern nur noch Beweise. Und davon scheint es reichlich zu geben. Ob Visionär oder Blender – das werden am Ende nicht Interviews, sondern Richter entscheiden. Und das ist auch gut so.

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