300 Millionen Euro hinterzogen – Influencer im Visier der Steuerfahnder!

Veröffentlicht am: 21.Juli.2025Kategorien: Arbeitswelt, RechtlichesLesezeit: 3 Min.
Avatar-Foto
Nora Wölflick schreibt über interessante, aktuelle Themen für den Love & Law Blog bei Recht 24/7.

Likes, Luxus & Lügen: Wie Social-Media-Stars den Staat austricksen

Sie zeigen auf Instagram ihre Traumvillen in Dubai, präsentieren Designerhandtaschen, Sportwagen und Privatjets – und verdienen damit zigtausende Euro pro Monat. Doch viele dieser Influencer vergessen dabei einen entscheidenden Hashtag: #Steuerpflicht.

Jetzt schlägt der Staat zurück: In Nordrhein-Westfalen stehen laut dem Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität (LBF NRW) rund 300 Millionen Euro hinterzogene Steuern im Raum – nur durch Influencer. Die Steuerfahndung analysiert derzeit 6.000 Datensätze von Social-Media-Plattformen und hat bereits rund 200 Strafverfahren eröffnet. Und das ist erst der Anfang.

Keine Ahnung oder kriminelle Energie?

Klar, bei ein paar kostenlosen Cremes und Rabattcodes drückt man auch beim Finanzamt mal ein Auge zu. Aber bei monatelangen Kampagnen, Luxusreisen auf PR-Kosten und fünfstelligen Monatsumsätzen hört der Spaß auf.

Stephanie Thien, Chefin des LBF NRW, bringt es auf den Punkt: „Es ist keine Seltenheit, dass eine Influencerin oder ein Influencer pro Monat mehrere zehntausend Euro verdient, aber nicht einmal eine Steuernummer hat.“

Von Überforderung mit Ruhm könne keine Rede sein – vielmehr handle es sich um „hohe kriminelle Energie“. Besonders perfide: Viele Influencer melden sich mit wachsendem Erfolg einfach ins Ausland ab – Dubai lässt grüßen. Dort gibt’s Sonne, Steuerfreiheit und kaum Konsequenzen.

Steuerfahnder denken digital: Influencer-Team gegen Insta-Steuertricks

NRW ist das erste Bundesland mit einer eigenen Behörde zur digitalen Steuerverfolgung. Das speziell gegründete Influencer-Team des LBF analysiert Story-Ads, Sponsoring-Deals, Rabattcodes und Produktverlinkungen. Selbst Storys, die nach 24 Stunden verschwinden, werden inzwischen erfasst – die Methoden sind aufwendig, aber offenbar wirksam.

Inzwischen schauen auch andere Bundesländer genau hin. Denn klar ist: Wo Millionen verdient werden, will der Staat mitkassieren – zu Recht. NRW-Finanzminister Marcus Optendrenk (CDU) erklärt: „Steuerhinterziehung im großen Stil tritt überall dort auf, wo Geld in großem Stil gemacht wird.“

Influencer sind Unternehmer – kein rechtsfreier Raum

Die wichtigsten Pflichten für Influencer? Ganz einfach:

  • Steuernummer beantragen, sobald Einnahmen erzielt werden
  • Einnahmen aus Werbung, Kooperationen & Affiliate-Links korrekt angeben
  • Umsatzsteuerpflicht beachten – auch bei digitalen Produkten oder bezahlten Stories
  • Finanzamt informieren, auch wenn Wohnsitz oder Einkommen ins Ausland verlagert wird

Wer das ignoriert, riskiert nicht nur Nachzahlungen, sondern auch Freiheitsstrafen bei schwerer Steuerhinterziehung. Und: Die Behörden haben inzwischen ein gutes Gespür dafür, wie sich Reichweite und Einkommen verhalten. Wer auf Social Media „100k pro Monat“ schreit, aber beim Finanzamt null Euro angibt fliegt schneller auf, als der Algorithmus denken kann.

Insta-Glanz ohne Finanzamt ist Betrug – nicht Business

Wir sagen ganz klar: Influencer sind nicht das Problem – Steuerbetrüger sind es. Wer Reichweite in Umsatz verwandelt, betreibt ein Geschäft. Punkt. Und da gelten nun mal dieselben Regeln wie für jeden anderen Unternehmer.

Die Ausrede „Ich wusste nicht, dass man das versteuern muss“ zieht nicht mehr – schon gar nicht bei Chanel-Bag und Lamborghini im Feed. Dass viele Content Creator offenbar ganz bewusst nach Dubai oder Zypern auswandern, um dem Fiskus zu entkommen, zeigt, wie dreist manche dieses System ausnutzen.

Das Influencer-Team des LBF ist überfällig – und hoffentlich bald Vorbild für ganz Deutschland. Denn wer Millionen verdient, muss auch seinen Teil zur Gesellschaft beitragen.

Du bist Influencer und unsicher bezüglich deiner Steuerpflichten? Lass dich jetzt von unseren Experten beraten und vermeide teure Fehler!

Zum Festpreis 169 EURO (brutto)